Die Weltsalon-Methode

Wie jeder weiss, der schon einmal mit gezielter Innovation zu tun hatte – zum Beispiel in der Produktentwicklung oder im Marketing –, ist es mit einem Brainstorming nie getan. Damit aus neuen Ideen machbare Konzepte werden, bedarf es einer Struktur. Eine solche Struktur gibt es auch im Weltsalon. Sie dient dazu, miteinander von der ersten Idee zu umsetzbaren Lösungen zu kommen. Jeder Weltsalon läuft deshalb nach einem ähnlichen Schema ab. Wesentlicher Bestandteil ist eine bestimmte Form der Gruppenarbeit, die ich nicht selbst erfunden habe, um der Prägnanz willen in aber „Weltsalon-Methode“ nenne. Mein Dank gilt hier Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd, die diese Methode massgeblich vorangebracht haben. Wer schon einmal eine Themenaufstellung miterlebt hat, der kann sich ungefähr vorstellen, in welche Richtung das Verfahren geht. Weltsalon-Methode

Wie Sie sich sicher denken können, ist die Ideenentwicklung im Weltsalon etwas, das sich schriftlich nur unzureichend beschreiben lässt und man eigentlich erlebt haben muss. Warum beschreibe ich sie hier trotzdem? Nun, ich habe den Wunsch und die Hoffnung, dass es andere inspiriert und ermutigt, in ihren jeweiligen Kreisen ebenfalls neu zu denken und machbare Konzepte für die Zukunft zu entwickeln.

Den Rahmen der gemeinschaftlichen Lösungsfindung in den Gruppen bietet die „Weltsalon-Methode“, die ich im folgenden Kasten skizziere. Es handelt sich um strukturierte Schritte der Problemlösung auf der Basis von Fragen.[i] Angewendet werden kann die Methode auf alle möglichen Probleme in der Politik und in Organisationen, von der Umweltzerstörung über die Beendigung von Kriegen bis hin zu Fragen der zukünftigen Weltordnung und des sozialen Friedens. Nötig für eine funktionierende Gruppenarbeit ist es allerdings, ein Thema jeweils genau zu benennen. Das kann durchaus ein „grosses“ Thema sein, wie beispielsweise Weltfrieden. Es kann aber auch stärker eingrenzt sein, zum Beispiel Umgang mit den neuen Formen Künstlicher Intelligenz. Wichtig ist, dass alle Teilnehmer in der Gruppe verstanden haben, um welches Thema es gehen soll, und mit diesem Thema auch etwas anfangen können.

Problemlösung in der Gruppe nach der Weltsalon-Methode
 

Nach den folgenden Schritten gehen die einzelnen Gruppen im Weltsalon vor, um konkrete Lösungen zu finden. Wiedergegeben ist hier lediglich das gedankliche Grundgerüst des Vorgehens. In der praktischen Anwendung gehören noch weitere Elemente dazu.

Schritt 1: Träger

Wer hat das Problem? Alternativ: Wer stellt sich die Frage? Also: Wer ist der Träger?

Schritt 2: Hürden

Welche Hindernisse und Schutzwälle existieren auf dem Weg zu einer gemeinsamen Lösung? (Ein Hindernis ist ein Schutzwall, wenn es mich davor bewahrt, mit etwas dahinter Liegendem fertig werden zu müssen.)

Schritt 3: Ressourcen

Welche bisher ungenutzten Fähigkeiten helfen uns bei der Erreichung unseres Ziels?

Schritt 4: Verdeckter Gewinn

Was haben wir davon, wenn wir so weitermachen wie bisher?

(Kein System kann sich längere Zeit stabilisieren, ohne dass es durch das vorhandene Problem etwas gewinnt.)

Schritt 5: Künftige Aufgabe

Welches neue Problem folgt auf die Lösung des aktuellen?

Wenn unser Problem gelöst ist, folgt dahinter oft ein neues. Für die Problemstruktur ist wichtig zu wissen, welches das ist.

© Christina E. Zech, Zürich 2018

[i] Vgl. Matthias Varga von Kibéd, Insa Sparrer, Ganz im Gegenteil, Carl Auer, 2001, S. 112 ff.

Ausführliche Informationen zur Weltsalon-Methode finden Sie im Buch WELTSALON Zukunftsweisende Konzepte für eine friedliche und ökologisch intakte Welt.